Clouds

Hello world

Hello World! This is a very small, simple program, useful to get close to the machine. Women have been close to the machine for a long time. They used to operate the most complicated looms and the strangest machines with acronym names, they connected and disconnected. And then they had to break code and write code. The machines even provided rooms of one’s own. But this connection should not last forever.

Der Begriff des „Computers“ oder „menschlichen Computers“ bezeichnet seit mindestens dem frühen 17. Jahrhundert – soweit man also Aufzeichnungen darüber hat – Menschen, die langwierige Rechenaufgaben ausführten. Die Arbeit wurde aufgeteilt, so dass sie von mehreren Computern parallel ausgeführt werden konnte. Zunächst für navigatorische, statistische und wissenschaftliche, dann auch für militärische Zwecke. Im Netz findet man zahlreiche Hinweise auf die circa 80 „Harvard Computers“, die ab 1886 am Harvard Observatory für den Chefastronomen E. C. Pickering arbei­teten, darunter herausragende Wissenschaftlerinnen wie Henrietta Swan Leavitt und Annie Jump Cannon. Die Bezahlung, auch für die Graduierten unter ihnen, entsprach der für ungelernte Arbeiter – sie galten nicht als Astronom­innen, sondern als begabte Assistent­innen. Dass Frauen Zugang zu wissenschaftlichen Institutionen gewährt wurde, hatte also auch mit diesen ökonomischen Zwängen zu tun, ihre Arbeitgeber mussten mit knappen Budgets auskommen.

Technische Furchtlosigkeit

Sprung in die Gegenwart: Die Programmiererin Ellen Ullman spricht in ihrer Essaysammlung My life in Code (MCD books, 2017) vom „Cult of the Boy Engineer“. Der typische Silicon Valley / Startup-Geek ist, wie sie zusammenfasst, weiß, männlich, zwischen 22 und 34 Jahre alt und fährt mit Roller oder Hoverboard zur Arbeit. Ullman plädiert für mehr Vielfalt. Jeder sollte, findet sie, programmieren lernen, auch ohne beruflichen Ehrgeiz: „Das Ziel der Bevölkerung sollte es sein […] Algorithmen zu entmystifizieren, zu wissen, dass Code mehrdeutig ist, dass Programme von Menschen geschrieben werden und von Menschen geändert werden können, die Konzepte zu kennen, die Denkmuster, die Wege, auf denen die Gedanken der Menschen verändert werden, wenn sie in die Computersprache übergehen“. Ullman fordert „technische Furchtlosigkeit“. Klingt definitiv gut.

Vom Coder zum Programmierer

Programmieren galt noch in den 1950er Jahren als eher weiblicher Beruf, Code-Knacken als etwas, was Frauen besonders lag. Noch 1967 waren zwischen 30 und 50 Prozent der Programmierer Frauen; genaue Zahlen gibt es leider nicht. Der erste, ziemlich wuchtige PC, ein LINC, stand bei einer Frau zu Hause: im Wohnzimmer der Eltern von Mary Allen Wilkes, die für das MIT arbeitete. Dass so viele Frauen ab den 40er Jahren, in der frühen Neuzeit des Computers, als Coder arbeiten konnten, lag u.a. daran, dass es bis Kriegsende an Männern fehlte. Es lag aber auch daran, dass die intellektuell anspruchsvolle Seite des Jobs stark unterschätzt und von den Akteurinnen selber traditionell heruntergespielt wurde. „Es ist, wie ein Dinner zu planen“, erzählte die Programmiererin Grace Hopper 1967 einer Journalistin der Zeitschrift Cosmopolitan für einen Bericht über die sogenannten „Computer Girls“: „Frauen sind Naturtalente im Programmieren“. Hopper konzipierte die Programmiersprachen Flow-Matic und das bis heute gängige COBOL sowie den ersten Compiler. Alle diese Programme waren dafür gedacht, Computerbefehle, allgemein unverständliche Maschinensprache oder Quellcode verständlicher zu machen. Das bisschen Haushalt!

Der Historiker und Informatiker Nathan Ensmenger beschäftigt sich seit Jahren mit der Rolle der Frauen und der „Maskulinisierung“, auch „Male-Washing“ genannt, in der Geschichte der Programmierung. In seinem Buch The Computer Boys Take Over setzt er sich mit den Gründen für den anfänglichen Mangel an Schranken und Vorbehalten für die Beschäftigung von Frauen im IT-Bereich auseinander und zeichnet die Entwicklung hin zu einer Neuerfindung der Programmierung in den 50er Jahren als glamouröse „schwarze Kunst“ nach, die von „Computer Cowboys / Whizzes / ­Boys“ ausgeübt wurde. In den 60er Jahren folgte dann die Einrichtung von IT-Studiengängen; der Beruf des „Software Engineers“ schälte sich heraus. Coden konnte man jetzt kaum noch als „low status“ bezeichnen, es setzte sich der technischer klingende Begriff Programmieren durch. Der Bedarf war riesig. Frauen wurde es systematisch verleidet, in diesem gutbezahlten, irre schnell wachsenden Berufszweig ihren Platz zu finden. Und im Nachhinein wurden ihre Pioniertaten systematisch verschwiegen.

Krieg und Frieden

In den letzten Jahren erschienen zahlreiche Bücher über die Rolle von Frauen in der Technologiegeschichte, wurde in Artikeln, in Features, auf Blogs, Symposien und in Filmen auf Computerpionier­innen aufmerksam gemacht. Die starke Quote von Mathematikerinnen oder Codeknackerinnen in Forschungseinrichtungen während des 2. Weltkrieges – in Großbritannien in Bletchley Park, in den USA beispielsweise im Manhattan Project – wurde 2012 in der britischen Miniserie The Bletchley Circle herausgestellt, als Follow-Up zweier Buchveröffentlichungen über die „Bletcheyettes“, die zu einer Geheimhaltungsklausel verpflichtet worden waren. Eine ihren Fähigkeiten angemessene Arbeit oder eine Würdigung ihrer wichtigen Arbeit war den allermeisten daher nach dem Krieg verwehrt. Die dort beschäftigten Frauen traf das mehr als die Männer, da die meisten von ihnen Quereinsteiger gewesen waren, nach dem Krieg also keine Qualifikation vorweisen konnten.

Die Rolle der (schwarzen) Mathematikerinnen, die in den 60er Jahren bei der NASA arbeiteten und die Mercury- und Apollo-Weltraummissionen unterstützten, brachte Theodore Melfis 2016 in seinem Kinofilm Hidden Figures auf die Leinwand. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Margot Lee Shetterly, die 2013 mit The Human Computer Project ein Archiv zur Geschichte der menschlichen Computer online gebracht hatte. Es sind also keineswegs nur Historiker / innen, die die klaffenden Lücken versuchen, zu füllen, sondern auch Autorinnen, die aus biografischen Gründen (Shetterlys Vater arbeitete für die NASA) informiert waren und die (Mis-)Repräsentation korrigieren wollten

Fussnoten und Kommentare

Um überhaupt die Zeit bis zur Wiederentdeckung oder Geschichtsaufarbeitung zu überdauern, waren smarte Lösungen gefragt. Ada Lovelace schrieb sich bei Charles Babbage in die Fußnoten, hält Sadie Plant 1995 in ihrem Essay „Future Looms“ (der ihrem legendären Buch Zeroes and Ones vorauseilte) fest: „Die Fußnoten waren oft die Randzonen, die von Schriftstellerinnen besetzt wurden. Dort konnten Frauen schreiben, während sie weiterhin einem Mann ihren Dienst im Kommunizieren seiner Gedanken erwiesen. Übersetzung, Trans­­kription und Ausarbeitung: Nie innerhalb des Haupttextes, so haben Frauen trotzdem ihren Einfluss zwischen die Zeilen gewebt. Während Adas Schreibe also in dieser Form vorlag und einfach mit ‚A.A.L.‘ signiert war, ist es ihr Name, der in diesem beispiellosen Fall überlebte.“ Adas Fußnoten bzw. ihr Kommentar zu Babbages Analytischer Maschine von 1843 gilt als erster Hypertext der Geschichte.

In den Fußnoten lässt es sich also überleben. In Archiven ebenfalls: In der Prints & Photographs Division der Library of Congress in Washington D.C. Im LOT 13226-1 befindet sich Dokument Nº 30, ein Porträt (‚Frontispiz‘, so steht es klein unten rechts in der Ecke dieser Karte) der jungen Ada Augusta, Countess of Lovelace, bezeichnenderweise ohne Arme – die Darstellung endet mit den Schultern. Neben diesem büstenhaften Porträt, das eben eine zarte, junge Dame zeigt, steckt in der selben Klarsichthülle das Porträt von Georg Scheutz, einem an Computern interessierten schwedischen Verleger, darüber ein Bild von Charles Babbages Differenzmaschine.

Scheutz hatte 1853 zusammen mit seinem Sohn Edvard begonnen, nach Babbages Plan die Maschine zu bauen, die dann bei der Weltausstellung 1855 in Paris zu sehen sein sollte. Heute steht der Apparat im Smithsonian, The National Museum of American History in D.C. Tippt man in das Suchfeld auf der Museumswebseite „Lovelace“ ein, gibt es genau einen Treffer. Ein Blogpost über Smartphones, veröffentlicht am 6. 12. 

2017. Darin deklariert der Autor die Verbindung von Lovelace und Software als einfältige Selbstverständlichkeit und will mit einem neuen Dreh der Geschichtsschreibung überraschen. Er notiert: „Wenn wir die Geschichte von Software zusammentragen, neigen wir dazu, an Computer und Leute wie Ada Lovelace zu denken, aber eine Form von binärem Code bildete schon das Herzstück von Samuel F. B. Morses Telegraphensystem“. Morse vs. Lovelace – um Credits muss gekämpft werden!

Anteilige Autorschaft?

Die lithographischen Porträtbilder von Babbage und Lovelace jedenfalls waren Material für die Ausstellung A Computer Perspective. Background to the Computer Age (IBM exhibition center, Madison Ave, New York City, 1971) und für einen kurzen anschaulichen Film über Charles Babbages Rechenmaschine oder Differenzmaschine, beides von Charles und Ray Eames produziert. Im Film kommt Ada nicht vor. In der Ausstellung A Computer Perspective hingegen schon, zunächst in untergeordneter Rolle, quasi als Babbages Medium und Memory: „die Gräfin von Lovelace (Lord Byrons Tochter), die durch ihr Verständnis von Mathematik, Maschinen und den Babbage-Theorien in der Lage war, einige der verständlichsten Berichte von Babbages Arbeit weiterzugeben“. Anteilige Autorschaft wird nicht verzeichnet.

Von der Bedeutung dieser Abschnitte eines Textes spricht auch Donna Haraway in der Dokumentation Storytelling for Earthly Survival (Fabrizio Terranova, 2016, 82 Min.), einer Art Homestory und Reise in die fantastische Welt der Biologin, zu Hund, Haus und Theorie. „Die Geschwindigkeit, mit der wir [Frauen] aus dem Zitationsapparat verschwinden, ist atemberaubend“. Und außerdem, „Frauen müssen ganz besonders vorsichtig mit der Wissenschaftsgeschichte umgehen“. Haraway ist daran gelegen, dass Frauen nicht die Fehler wiederholen, sondern es sehr genau damit nehmen, wer an welchen Erfindungen und Projekten beteiligt war und diese Namen dann auch nennen.

Ein neuer Beruf

An anderer Stelle im selben Katalog, dann, wenn es um den neuen Beruf der „First Programmers“ geht, wird Lovelace eine eigenständige Position eingeräumt, zusammen mit den beiden Ladies Grace Hopper und Adele Goldstine. Über Ada Augusta informiert eine Tafel, dass sie – wieder mit dem Hinweis auf Lord Byrons Vaterschaft – als talentierte Mathematikerin und enge Freundin von Charles Babbage in einer detailreichen Analyse der Analytical Machine wesentliche Ideen­ der Programmierung entwickelte. „Viele der Mathematiker, die den Job annahmen, waren Frauen – teils, weil der Krieg Druck auf die männlichen Arbeitskräfte ausübte, aber auch wegen der Tatsache, dass es im neu geschaffenen Berufsbild für beide Geschlechter nur wenige Präzedenzfälle gab.“ Zuvor war Frauen eine untergeordnete Rolle im Rechenprozess eingeräumt worden, ihnen blieb der Assistentenpart. Etwa 1908, Yale & Towne Manufacturing Company, Buchhaltung: „The English Magazine Engineering observed that manual bookkeeping ‚would need the personal attention of someone of marked ability. But when the data are punched on cards, the job can be put in the hands of a girl‘.“

Kreative Kollaborationen

Es ginge auch anders, auf Augenhöhe sozusagen. Neben einzelnen herausragenden Namen ist der Blick in die Strukturen viel interessanter und aussagekräftiger. Feministische Wissen­schaft‑

lerin­nen haben etwa auch die Zusammenarbeit von „husband-and-wife teams“ untersucht. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Arbeitsanteil von den Medien oftmals so interpretiert, dass die Frau den Mann bei der Arbeit unterstützt. „Das Ehepaar Ray und Charles Eames wurde oft als Beispiel verwendet, um diese asymmetrische Beziehung zu illustrieren. Obwohl sie [Ray] offensichtlich eine ebenso zentrale Rolle in ihrer gemeinsamen Arbeit gespielt haben, war Charles Eames derjenige, der öffentlich bekannt war und zu dieser Zeit Anerkennung für ihre gemeinsamen Entwürfe bekam, während Ray Eames ‚die Frau hinter dem erfolgreichen Mann‘ blieb, die ihm beim Design der Möbel half.“ (Pýnar Kaygan, 2016) Heute heißt es: „Charles und Ray Eames“, oder gleich, abstrakter, „Eames Office“.

Die alte Unterscheidung in der Medienberichterstattung zu ihrer Zeit mag sich inzwischen verschlissen haben. Die Wissenschaftlerin Pýnar Kaygan will die negative Bewertung nicht stehen lassen, denn das Zusammenarbeiten in der Partnerschaft bringt wesentliche Vorteile: In der Gesellschaft eines Mannes war der kommerzielle Erfolg erstens größer und brachte zweitens praktische Lösungen für die Bewältigung familiärer Verpflichtungen mit sich. Doch die Gefahr drohte immer, dass sich die traditionelle Arbeitsteilung zwischen Paaren vom Privaten ins Berufliche übertragen würde. Es ist Arbeit, etablierte Rollen nicht zu wiederholen.

Starship 17: Cover Park McArthur, Martin Ebner
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